Aktuelles

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30.08.2020

Interview: Eigener Hallenbetrieb

Die langjährigen Vereinsmitglieder Tim Brauer, Theo Reiß und Michael Kundel sowie unser Cheftrainer Franz Stauder haben die Tennis- und Soccerhalle in Pfeddersheim von Winfried Nold übernommen. Die gesamte Anlage wird langfristig an unseren Verein verpachtet und wir werden diese eigenständig betreiben. Zu diesem spannenden und für den Verein zukunftsweisenden Projekt haben wir mit drei Verantwortlichen gesprochen.  

Redaktion: Julian, zunächst die große Frage: wieso hat sich Rot-Weiß überhaupt um die Tennishalle in Pfeddersheim bemüht?

Julian Djabarian: Die Antwort zu dieser Frage ist sehr vielschichtig. Seit vielen Jahren schon bemühen sich unsere Vorstände um eine Lösung in der Hallen-Thematik. Es wurden viele Gedankenspiele geführt. Von der Ertüchtigung unserer Einfeldhalle in der Buschgasse über einen Neubau einer Zweifeldhalle neben dem Clubhaus bis hin zum Betrieb der bestehenden Dreifeldhalle in Pfeddersheim. Leider war es uns in den vergangenen Jahren wirtschaftlich noch nicht möglich eine dieser Alternativen umzusetzen. Die finanziellen Altlasten waren stets zu groß und die Mitgliederzahlen zu niedrig, weswegen die letzten zehn bis zwölf Jahre dafür genutzt werden mussten, den Verein vor allem aus finanzieller Sicht wieder auf sichere Beine zu stellen. 

Aus meiner Sicht wurde der nachhaltige Turnaround unter dem Vorsitz von Tim Brauer gestartet, von Peter Heppel und Hannes Hoecker konsequent weitergeführt und in den letzten Jahren von „der Jugend“ mit Nachdruck vorangetrieben. Das Ergebnis waren eben jene Rahmenbedingungen, die es uns erlaubt haben, das große Projekt der eigenen Halle angehen zu können.

Warum eine Halle für unseren Verein so notwendig ist, lässt sich relativ einfach sagen: ohne Halle hätte unser Verein perspektivisch keine Zukunft. Ein attraktiver Tennisverein muss in der Lage sein, allen seinen Mitgliedern einen Winterbetrieb zu ermöglichen. In 2019 waren wir bereits in der schwierigen Lage, dass die Tennishalle in Pfeddersheim fast verkauft worden wäre – ohne Erhalt der Tennisplätze. Die kurzfristigen Folgen wären mit Sicherheit zunächst der Verlust unseres Vereinstrainers gewesen, aber viel gravierender der Verlust etlicher Kinder und Jugendlicher, die in Zukunft unseren Verein beleben sollen. Es wäre außerdem ein herber Verlust für unsere Hauptmitgliedschaft sowie die Tennispielerinnen und Tennisspieler der umliegenden Vereine, wenn in Worms drei Hallenplätze weggefallen wären.

Nachdem also die Rahmenbedingungen aus unserer Sicht optimal waren und die Notwendigkeit einer Halle für unseren Verein und die Tennis-Gemeinde immens war, hatten wir uns zunächst entschieden ein Konzept für den Betrieb der Tennishalle in Pfeddersheim zu erarbeiten, mit dem wir dann auf Tim Brauer, Theo Reiß und Michael Kundel zu gehen konnten. Dass wir mit unserem Konzept überzeugen konnten und ab dem kommenden Winter die Halle in Eigenregie betreiben können, ist für unseren Club aus meiner Sicht der größte Meilenstein unserer Vereinsgeschichte.

Redaktion: Tim, wie hat es der Verein dann geschafft, euch Käufer von diesem großen und langfristigen Projekt zu überzeugen?

Tim Brauer: Das war eigentlich relativ leicht. Zum einen sind wir dem Verein ja alle schon lange Jahre verbunden. Zum anderen haben wir natürlich gesehen, dass der Vorstand in den letzten Jahren sehr solide und zuverlässig gearbeitet hat und hierdurch das Vertrauenbei uns da war, dass dies auch bei so einem langfristigen Projekt in der Zukunft der Fall sein wird.

Redaktion: Wie kann man sich die Gespräche und Verhandlungen zwischen den Käufern und dem Verein vorstellen? Wie läuft so ein Projekt ab?

Tim: Da gibt es kein Muster oder feste Abläufe. Als aus Gesprächen zwischen Peter Heppel und Winfried Nold die Chance ersichtlich wurde, die Halle zu kaufen, haben sich alle möglichen Beteiligten zusammengesetzt. Dabei war klar, zum einen muss es für den Verein finanziell tragbar sein und auch für uns als Käufer der Halle sich finanziell tragen. Da alle Beteiligten hier Verständnis für die Anforderungen des anderen hatten, konnten wir uns relativ schnell in zwei längeren Gesprächen über die finanziellen Rahmenbedingungen und auch die vertragliche Gestaltung einigen.

Julian: Ohne das vertrauensvolle Verhältnis zu den Käufern wäre das Projekt natürlich nicht zu realisieren gewesen. Wir haben von der ersten Minute an alle mit offenen Karten gespielt, da natürlich auch für uns die finanzielle Sicherheit oberste Priorität hatte. An dieser Stelle muss ich ganz klar sagen, dass für die Käufer das wirtschaftliche Interesse zu keinem Zeitpunkt im Fokus war, im Gegenteil: auch hier wurde großer Wert auf das Wohl des Vereins und dessen Zukunftsperspektive gelegt, wofür wir als Verein sehr dankbar sein können. 

Der Ablauf des Projekts war wie Tim schon gesagt hat ohne feste Abläufe. Zunächst hatten wir Tim, Michael und Theo das Projekt vorgestellt, um deren grundlegende Bereitschaft abzutasten. Im Anschluss hatten wir dann viele intensive Gesprächsrunden, in denen wir dann gemeinsam an unserem Konzept weitergearbeitet haben.

Redaktion: In der Aufzählung ist Franz Name nicht gefallen. Wieso hat sich Franz letztlich auch an dem Hallenkauf beteiligt?

Franz Stauder: Als der Verein und meine Mitstreiter auf mich zu kamen, ob ich mich beteiligen möchte, war die Entscheidung relativ schnell getroffen. Da wir alle unseren Verein Schritt für Schritt nach vorne bringen wollen und die Halle natürlich auch für meinen Job als Trainer überlebenswichtig ist, musste ich nicht lange überlegen.

Julian: Franz war ein wichtiges Puzzle-Teil in dem ganzen Konstrukt, in dem es neben Vertrauen auch vor allem um Sicherheit geht. Für alle Beteiligten gibt die langfristige Bindung von Franz – der als Trainer zweifelsohne eine große Strahlkraft besitzt – Planungssicherheit, dass der sportliche Bereich in unserem Verein auf viele Jahre abgedeckt ist.

Redaktion: Inwieweit hat euch die aktuelle Situation durch COVID-19 bei der Planung des ganzen Projektes beeinflusst?

Julian: Da die entscheidenden Gespräche mitten in der Hochphase der ersten COVID-19-Welle stattgefunden haben, wurde natürlich auch hierüber intensiv gesprochen. Natürlich hoffen wir, dass uns im Winter eine ähnlich schwierige Situation mit Hallensperrungen erspart bleibt, aber auch diese Situation würden wir gemeinsam schaffen. Letztlich hat das Ganze aber keinen Einfluss auf die Planungen gehabt.

Spannend wurde aber natürlich die Zustimmung der Mitgliedschaft für dieses Projekt einzuholen. Nachdem nicht abzusehen war, wann eine Mitgliederversammlung hätte stattfinden können, hatten wir uns intensiv mit den rechtlichen Fragestellungen einer Briefwahl auseinandergesetzt. Das Ergebnis mit einer Zustimmung von 99,45% bei einer Wahlbeteiligung von fast zwei Dritteln der Mitgliedschaft war schon überwältigend.

Redaktion: Habt ihr mit einer so eindeutigen Zustimmung der Mitgliedschaft zu diesem Projekt gerechnet?

Tim: Ich persönlich habe damit von Anfang an gerechnet, da alle Mitglieder die seriöse Arbeit des Vorstandes in den letzten Jahren erleben durften und es deshalb wahrscheinlich war, dass sie ihm auch bei diesem Projekt das Vertrauen schenken. Und auch wir als Käufer sind ja keine Unbekannten und unsere Verbundenheit zum Verein sicherlich bei allen bekannt.

Redaktion: Wie seht ihr als Verpächter aber auch langjährige Vereinsmitglieder und -unterstützer eure zukünftige Rolle beim Hallenprojekt?

Tim: Da haben wir uns bewusst relativ schnell so festgelegt, dass wir mit dem operativen Geschäft als Eigentümer der Halle so wenig wie möglich zu tun haben wollten und dies durch den Verein geleistet werden soll. Zum einen ist der Verein durch seine Vorstände und Mitglieder näher am Tagesgeschäft dran, zum anderen haben ja alle Investoren auch ein Berufsleben, was es schwierig macht, sich intensiv nebenbei um die Betreibung einer solchen Halle zu kümmern. Und zuletzt haben wir mit der Vertragsgestaltung erreicht, dass der Verein in der operativen Betreibung der Halle durch eine Optimierung in der Belegung einen eigenen höheren Nutzen ziehen kann.

Redaktion: Die Verantwortung ist jetzt groß. Was sind eure Vorstellungen über den Betrieb der Halle?

Julian: Hier will ich mich kurzhalten. Wir haben in den vergangenen Jahren stets großen Wert daraufgelegt, transparent und nachhaltig im Sinne des Vereins zu arbeiten. Das wollen wir beibehalten. Unser Ziel ist es ganz klar, die Halle möglichst voll auszulasten und ein Anlaufpunkt für die Tennisvereine der Umgebung zu werden. Mit Lukas Gaedt als Vereinsmanager haben wir außerdem eine optimale Lösung für diese neugeschaffene Stelle gefunden. Lukas wird unseren gesamten Verein weiterbeleben.

Redaktion: Stichwort Vereinsmanager: Was sind seine Aufgaben?

Julian: Zunächst natürlich die Geschäftsführung der Halle mit allem was dazu gehört. Lukas wird sich zu Beginn um die Sanierungsarbeiten in der Halle kümmern, aber auch gleichzeitig schon in die Planungen für den Winterbetrieb 2020/2021 einsteigen. Perspektivisch soll sich der Vereinsmanager um alle zukunftsweisenden Fragestellungen des Vereins kümmern.

Redaktion: Welche Erneuerungen wird es in der Tennishalle geben?

Franz: Ganz wichtig: der Boden. Wir haben uns zuerst intensiv mit allen möglichen Varianten auseinandergesetzt und dann auch testgespielt. Der neue Boden wird sehr gelenkschonend sein – das haben auch meine Knie sofort bemerkt – und ist gleichzeitig perfekt für Freizeit- wie auch Leistungsspieler geeignet. Es findet sogar jährlich ein ATP-Turnier in Nußloch auf genau diesem Teppich statt. Ich, als Trainer, bin froh, dass sich gegen einen Boden mit Granulat entschieden wurde. Das Licht wird wie versprochen auch erneuert. Die alten Leuchten werden durch moderne LEDs ausgetauscht. Auch das Online-Buchungssystem, das ja jetzt schon für die Freiplätze genutzt wird, kommt für die Halle zum Einsatz, eventuell sogar in Kombination mit einer modernen Gebäudesteuerung, also Türöffner und Lichtschaltung. Es ist also noch einiges zu tun.

Redaktion: Zum Angebot der Halle: Werden in Zukunft zum Beispiel auch Turniere in der Halle angeboten?

Franz: Auch Turniere oder Kooperationen mit anderen Vereinen, Schulen und Verbänden sind denkbar und sind voll in die Planungen mit eingeflossen. Der Aufbau solcher Angebote und Kooperationen braucht natürlich etwas Vorlauf, aber wir sind guter Dinge, dass wir hier tolle Angebote schaffen können.

Redaktion: Wie schätzt ihr die Auslastung der Tennishalle für den kommenden Winter ein?

Franz: Nach jetzigem Stand sind wir bereits voll im Soll was die Auslastung der Tennishalle betrifft. Es sind aber noch einige attraktive Stunden zu haben, weswegen sich Interessenten schnell melden sollten, bevor die Stunden ausgebucht sind.

Redaktion: Die Soccerhalle soll ja bestehen bleiben. Wird es hier Änderungen geben und wenn ja, welche?

Julian: Genau, sie bleibt bestehen. Wir wollen auch für die Fußballerinnen und Fußballer aus Worms und Umgebung dieses attraktive Angebot behalten. Die Soccer-Halle wird wie die Tennishalle auch eine bessere Beleuchtung bekommen. Wir stehen schon in Kontakt zu einigen Fußballvereinen und dem Sportdezernat und wollen auch für die Fußballvereine Angebote schaffen.

Redaktion: Franz, welchen Mehrwert hat das Betreiben einer eigenen Vereinshalle für deine Arbeit als Trainer?

Franz: Als erstes natürlich, dass unser Trainings- und Spielbetrieb im Winter für die kommenden Jahre gesichert ist und das auch potenziellen Neumitglieder oder zum Beispiel dem Verband gegenüber so kommuniziert werden kann. Alleine das hat mit Sicherheit schon positive Auswirkungen. Außerdem erleichtert uns der Betrieb einer Vereinshalle natürlich die Planung aller Vereins- und Jugend-Trainingsstunden. Hier wird in Zukunft eine große Aufgabe sein, die Wünsche aller Interessenten mit unseren eigenen zu vereinbaren. Wir sind aber jetzt einfach viel flexibler, auch wenn es um die geplanten Zusatzangebote wie Schnupperkurse, Firmen-Tennis, usw. geht, die wir ja in Zukunft einführen wollen. Zusätzlich können wir jetzt, auch im Sommer, problemlos ausweichen falls es regnen sollteund müssen Stunden nicht mehr verschieben oder ausfallen lassen.

Redaktion: Der Verein hat mit dem Betrieb einer eigenen Halle also enorm an Entwicklungspotential gewonnen. Wo seht ihr den TC Rot-Weiß in fünf, zehn und 20 Jahren? 

Tim: Na hoffentlich als der an Mitgliedern stärkste Verein in Worms mit einer soliden finanziellen Basis und sportlich erfolgreichen Mannschaften.

Franz: Neben dem Gewinn von vielen Mitgliedern, ist es für mich als Vereinstrainer natürlich wichtig, dass sich der Verein sportlich entwickelt. Eine spielstarke Jugend, aber auch hochklassige Aktiven und Seniorinnen- und Senioren-Mannschaften sind mein Ziel!

Julian: Wir wollen den Verein noch intensiver zu einem Familienclub entwickeln, in dem sich Spielerinnen und Spieler aller Spielstärken wiederfinden können. Verstärkt wollen wir uns wieder mehr auf das Vereinsleben und neue Angebote für Mitglieder konzentrieren. Wirtschaftlich wie sportlich soll der Verein stark aufgestellt sein. Wir sind auf einem tollen Weg, den wir konsequent weiter gehen werden.

(Interview erschienen im Doppelfehler 2020)

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